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Max Raabe & Palast Orchester streicheln Hummeln und bringen den Glanz der „Goldenen Zwanziger“ zurück auf die Bühne
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Mit tierischem Spaß touren Max Raabe & Palast Orchester derzeit mit ihrem aktuellen und sehr beliebten Programm „Hummeln streicheln“ kreuz und quer durch die Republik und sogar hoch bis nach Skandinavien. Dabei begeistern sie das Publikum sowohl mit bekannten Klassikern der 20er- und 30er Jahre als auch beliebten eigenen Songs. Und während andere Künstler:innen sich nach einer am Ende fast zweijährigen Konzert-Tour erst einmal ausruhen würden, stehen bereits jetzt die Termine für eine neue Tour ab Januar 2027 fest.
Um es vorweg zu nehmen: Nein, es war nicht alles toll in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, im Gegenteil! Es waren schwierige Zeiten in Deutschland zwischen den Folgen des Ersten Weltkrieges, galoppierender Inflation und schließlich der Weltwirtschaftskrise 1929. Aber es gab eben auch die andere Seite. Jene, die den „Goldenen Zwanzigern“ ihren Namen verlieh. Eine Zeit, in der das kulturelle Leben erblühte – Cafés, Theater und Varietés entstanden, das Nachtleben in den Großstädten pulsierte. Sie war ausgelassen und freizügig und das Kino in Deutschland boomte – nirgends sonst in Europa gab es mehr Lichtspielhäuser als hier. Die voranschreitende Elektrifizierung sorgte außerdem dafür, dass es mehr Radios gab – auch auf dem Land – und elektrische Tonabnehmer für Grammophone verbesserten die Klangqualität. Musik konnte damit individuell und in der Masse ganz anders genossen und verbreitet werden und bekam dadurch eine ganz neue Rolle. Auf den Konzertbühnen feierte man die großen Berliner Stars, in den Ballhäusern tanzte man Charleston. Lebenslust, Zuversicht und vielleicht schon eine fast etwas übertriebene Form von Leichtigkeit wurden zelebriert. Genau dieses Lebensgefühl bringen Max Raabe und das Palastorchester nun schon seit gut 40 Jahren auf die großen und kleinen Bühnen unserer Republik sowie international in die große, weite Welt.


Zwischen Charme, Witz und Weltklasse: Warum Max Raabe live so besonders ist
Dieses Gefühl von Harmonie und Leichtigkeit ist es, was ich bei Max Raabe und dem Palast Orchester besonders liebe – und dieser ganz besondere Charme, den sie versprühen! Ihre Songs machen mir einfach immer gute Laune und haben live natürlich nochmal eine ganz andere Qualität. Gesanglich und musikalisch agieren sie ohnehin auf absolutem Weltklasse-Top-Niveau, doch wenn man mich fragt, „hey, wie findest du eigentlich Max Raabe?“ dann fällt mir als allerstes das Wort „charmant“ ein. „Und wie war das Konzert, so mit live Orchester?“ – „Einfach bezaubernd! Und witzig.“ Ich könnte auch noch geistreich hinzufügen aber in der Regel sind die Fragestellenden schon beim witzig verwirrt. Ich denke, das liegt an den Assoziationen, die viele Menschen mit einem klassischen Orchester, einem Frack oder auch der, ich nenne es mal, „sehr aufrechten“ Körperhaltung Max Raabes haben – steif, langweilig, affektiert würde manch einer oder einem vielleicht eher dazu einfallen. Aber das Gegenteil ist der Fall! Mit diesen Vorurteilen wird ganz bewusst gespielt und wenn Max Raabe das Stück „Ich brech´die Herzen der stolzesten Frau´n“ anmoderiert und in eben jener Körperhaltung kokettiert wie leidenschaftlich er sei, dann ist das einfach irre komisch! Ohnehin sind es für mich meistens die Ansprachen und kleinen Scherze zwischen den Songs und natürlich die Interaktion mit dem Publikum, die Konzerte besonders machen und mich oft am meisten berühren – ganz allgemein und bei Max Raabe außerordentlich. Da die Shows von ihm und dem Palast Orchester in der Regel aus einer Mischung eigener Songs (z. B. „Fahrrad fahr´n“, „Guten Tag, liebes Glück“, „Hummel“) und beliebten Klassikern der 20er- und 30er-Jahre (u.a. „Bei mir bist du schön“, „Veronika, der Lenz ist da“, „Mein kleiner grüner Kaktus“) besteht, gibt er bei allen „fremden“ Stücken stets an, aus welchem Jahr und aus wessen Feder jene stammen oder bei den „eigenen“, wer daran mitgewirkt hat. Das alleine finde ich schon sehr sympathisch, denn: Ehre, wem Ehre gebührt! Darüber hinaus lässt der Wahlberliner auch immer wieder längere Ankündigungen zu einzelnen Songs einfließen – stets charmant, oft tiefgründig, mit feinem Humor und wunderbaren Wortwitzen. Zeitlos und gleichzeitig höchst aktuell sinniert der Sänger mal über die „Frühphase einer Beziehung – ein altes Thema! Wie mag die Partnersuche damals ausgesehen haben in der Steinzeit? Angepriesen mit ‚kann Feuer machen und keulen schwingen‘ – also so wie heute!“ oder bei der Anmoderation zu „Vivere“ über „Leben. Das ist der Zustand, der eintritt, wenn das WLAN ausfällt. Da lernt man interessante Menschen kennen, mitunter auch die, mit denen man seit Jahren verheiratet ist.“.
Besonders ist auch das Miteinander von Max Raabe und dem Palast Orchester! Bei der Tour „Hummeln streicheln“ gibt es A-capella-Stücke, bei denen Raabe gesanglich von einigen der Musiker unterstützt wird, oder instrumentale Interlude, bei denen der Sänger auch optisch „zurücktritt“, indem er visuell in den Schatten tritt (der sonst auf ihn gerichtete Scheinwerfer erlischt) und lässig – und doch stets in seiner markanten, geraden Körperhaltung – am Klavier lehnt. Dazu kommt die eine oder andere witzige (Inter-)Aktion der Musiker – wenn die Trompeter zum Beispiel den Badewannen-Kapitän visuell darstellen – und ein paar handverlesene Leinwandprojektionen. Der Hauptschwerpunkt liegt aber definitiv auf dem Realen, Menschlichen und Handgemachten – eben kein großes Tamtam und wenn dann nur musikalisch!
Große und kleine Bühnen – ein Vergleich
Bereits seit Januar 2025 sind Max Raabe & Palast Orchester mit ihrem aktuellen Programm „Hummeln streicheln“ international auf Tour – vorwiegend in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Was sicherlich naheliegend ist, schließlich sind die meisten Songtexte auf Deutsch, doch auch in Skandinavien sind einige Termine geplant und in der Vergangenheit traten sie bereits regelmäßig in den USA oder auch in Japan auf. Ich habe „Hummeln streicheln“ letztes Jahr in der Hamburger Barclays Arena erlebt und vergangene Woche im Metropol Theater Bremen – zwei Veranstaltungsorte, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Während ersterer auf Masse ausgelegt (max. 15.000 Sitzplätze) und eher kühl und nüchtern ist, ist der zweite mit 1.450 Sitzplätzen wesentlich kleiner und allein schon durch die roten Sitze und Teppiche intimer. Mit seinen kleinen Balkonen zu beiden Seiten versprüht der Saal des Bremer Metropol Theaters zudem das Flair eines Opern- oder Ballsaals. Nicht jede:r Künstler:in schafft es, auf kleinen und auch großen Bühnen zu bestehen, doch Max Raabe & Palast Orchester gelingt beides mühelos! Sowohl das Konzert in Hamburg als auch das in Bremen hat mich nicht nur überzeugen, sondern komplett begeistern und verzaubern können! Wobei ich hinzufügen muss, dass ich in Hamburg das Glück hatte, im bestuhlten Innenraum relativ weit vorne zu sitzen. Ich kann nicht sagen, wie die Tonqualität weiter hinten oder oben auf den Rängen war (aus anderen Erfahrungen weiß ich, dass sie gerade an den Seiten nicht immer ideal ist, doch auch das Metropol Theater hat damit ab und an Probleme). Damit das Geschehen auf der Bühne auch aus größerer Entfernung sichtbar und damit erlebbar war, gab es dort außerdem zu beiden Seiten zusätzliche, große Leinwände.

Mein persönliches Fazit
Vielleicht kennt ihr dieses Gefühl, wenn das Herz „Hach!“ macht?! So ein inneres Aufatmen, als ob das Herz größer wird? Oder wenn ihr im Kino einen wirklich guten Film gesehen habt und erstmal wieder in der Wirklichkeit ankommen müsst? So erging es mir letzte Woche beim Konzert im Metropol Theater! Dieses Flair der 20er-/30er-Jahre, der „Goldenen Zwanziger“, zwischen musikalisch-emotional gewaltig und Harmonie in schwierigen Zeiten. Die Musik von Max Raabe und dem Palast Orchester macht einfach gute Laune, sie beschwingt mich, lässt mich Leichtigkeit verspüren und die sowohl charmanten als auch tiefgründigen und mit viel Wortwitz gespickten Anmoderationen Raabes haben das Publikum und mich oft zum Lachen gebracht. Besonders erwähnenswert ist auch die geschlossene Einheit, die Sänger und Musiker auf der Bühne präsentieren. Man sieht nicht einfach einen Sänger, der von einem Orchester begleitet wird, sondern eine Symbiose aus Menschen, die sich seit Jahrzehnten begleiten, die Freunde, eine musikalische Familie sind. Das Palast Orchester agiert miteinander, untereinander und mit Max Raabe – durch Blicke, Huldigungen und synchronisierten Bewegungen. Jedem einzelnen Mitglied ist die Musik- und Spielfreude anzusehen und das überträgt sich auch sofort auf das Publikum.
Beim Location-Vergleich könnte ich tatsächlich gar nicht sagen, welches der Konzerte mir besser gefallen hat, denn beide Abende hatten ihre ganz eigenen, besondere Momente – und das bringt mich zu dem (für mich) einzig wahren Schluss: Max Raabe & Palast Orchester sind auf jeder Bühne und in jeder Kulisse absolut empfehlenswert!
Weitere Termine für „Hummeln streicheln“ & neues Programm in 2027
Das Tour-Pensum von Max Raabe & Palast Orchester ist wirklich beeindruckend! Aber wie könnte man das 40-jährige Bestehen des Palast Orchesters auch besser feiern als auf der Bühne?! Noch bis Mitte Dezember reisen sie mit dem aktuellen Programm „Hummeln streicheln“ kreuz und quer durch die Bundesrepublik, mit Abstechern in Norwegen, Finnland und Schweden – wobei die Skandinavien-Termine unter dem Namen „Night And Day“-Tour laufen werden. Nach einer wohlverdienten Weihnachtspause geht es dann im Januar 2027 gleich weiter – mit neuem Programm! Passend zum neuen Pop-Album, welches nächstes Jahr veröffentlicht werden wird. Tour-Start ist am 14. Januar 2027 in Weimar, Tickets sind bereits im Vorverkauf erhältlich.
Für Informationen zu allen Terminen und Tickets schaut ihr am Besten bei eventim oder auf der offiziellen Max Raabe & Palast Orchester-Homepage vorbei.
Und wer sich musikalisch schon einmal auf das neue Programm einstellen möchte, kann über diesen Link bereits den ersten Song „Komm mal her“ vom kommenden, neuen Album auf verschiedenen Plattformen anhören.
